Guide · Deutschland und Österreich

Tippgeber-Provision in Deutschland und Österreich: was gilt

Eine Tippgeber-Provision ist in Deutschland und in Österreich eine Vergütung nach Ergebnis: Sie ist geschuldet, wenn aus deinem Hinweis ein Vertrag wird. Steuerlich nennen beide Länder die gelegentliche Vermittlung ausdrücklich, mit einer kleinen Jahresgrenze: weniger als 256 Euro in Deutschland, höchstens 220 Euro in Österreich.

Wird die Tätigkeit regelmässig, geht es um Gewerbe und Umsatzsteuer. Dieser Guide stellt die Gesetzestexte beider Länder nebeneinander. Er gilt nicht für die Schweiz und nicht für Frankreich.

Aktualisiert am Allgemeine Information, keine persönliche Beratung

Tippgeber: was ist das rechtlich?

Der Tippgeber gibt einen Hinweis: Er nennt einem Unternehmen eine Person, die an dessen Angebot interessiert sein könnte. Den Verkauf führt das Unternehmen. Das Wort «Tippgeber» steht in keinem der Gesetze, die wir für diesen Guide gelesen haben. Der Vertrag, der am nächsten kommt, ist der Maklervertrag.

  • Deutschland: § 652 BGB spricht vom «Nachweis der Gelegenheit zum Abschluss eines Vertrags» oder von der «Vermittlung eines Vertrags» gegen Maklerlohn. Der Nachweis ist der Fall des Tippgebers.
  • Österreich: Nach § 1 Maklergesetz ist Makler, «wer auf Grund einer privatrechtlichen Vereinbarung (Maklervertrag) für einen Auftraggeber Geschäfte mit einem Dritten vermittelt, ohne ständig damit betraut zu sein».

Die Grenze nach oben: Wer «ständig damit betraut» ist, Geschäfte zu vermitteln, ist in Deutschland Handelsvertreter (§ 84 HGB), mit eigenen Regeln. Auch das österreichische Maklergesetz erfasst nur, wer nicht ständig betraut ist. Für einzelne Branchen, zum Beispiel Versicherungen, gelten zusätzliche Vorschriften, die dieser Guide nicht behandelt.

Wann ist die Provision geschuldet?

PunktDeutschlandÖsterreich
Wann entsteht der Anspruch?Nur, wenn der Vertrag infolge des Nachweises oder der Vermittlung zustande kommt (§ 652 Abs. 1 BGB).Wenn das Geschäft durch die vertragsgemässe verdienstliche Tätigkeit des Maklers zustande kommt (§ 6 Abs. 1 MaklerG); der Anspruch entsteht mit der Rechtswirksamkeit des vermittelten Geschäfts (§ 7 Abs. 1).
Reicht es, einen Namen zu nennen?Der Nachweis der Gelegenheit zum Abschluss ist in § 652 BGB ausdrücklich genannt.Die blosse Namhaftmachung begründet keinen Provisionsanspruch, sofern im Geschäftszweig kein abweichender Gebrauch besteht (§ 6 Abs. 2 MaklerG).
Höhe nicht vereinbartTaxmässiger Lohn, sonst der übliche Lohn (§ 653 Abs. 2 BGB).In diesem Guide nicht geprüft: Lass die Höhe schriftlich festhalten.
Auslagen und VorschussAufwendungen sind nur zu ersetzen, wenn es vereinbart ist (§ 652 Abs. 2 BGB).Der Makler hat keinen Anspruch auf einen Vorschuss (§ 7 Abs. 1 MaklerG).

In beiden Ländern ist die Provision also eine Vergütung nach Ergebnis. Für Österreich heisst das: Wer nur einen Kontakt nennt, sollte ausdrücklich vereinbaren, dass schon dieser Tipp vergütet wird. Quellen: § 652 BGB, § 653 BGB, § 6 MaklerG, § 7 MaklerG.

Tippgeber-Provision versteuern: die gelegentliche Vermittlung

Beide Einkommensteuergesetze nennen die gelegentliche Vermittlung beim Namen, als Beispiel für «Einkünfte aus Leistungen».

  • Deutschland: § 22 Nummer 3 EStG erfasst «Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen». Weiter heisst es: «Solche Einkünfte sind nicht einkommensteuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 Euro im Kalenderjahr betragen haben.»
  • Österreich: § 29 Z 3 EStG 1988 erfasst ebenfalls «Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen»: «Solche Einkünfte sind nicht steuerpflichtig, wenn sie im Kalenderjahr höchstens 220 Euro betragen.»

Beide Texte nennen eine Grenze für das ganze Kalenderjahr, nicht pro Provision. Liegt die Summe darüber, greift die Ausnahme nicht mehr. Bewahre deshalb Vereinbarung, Abrechnung und Zahlungsbeleg auf. Wie deine Einkünfte im Einzelfall einzuordnen sind, sagt dir dein Finanzamt.

Ab wann ist es ein Gewerbe?

«Gelegentlich» ist das entscheidende Wort. Wird aus einzelnen Tipps eine regelmässige Tätigkeit, ändern sich die Regeln.

  • Deutschland: Nach § 15 Absatz 2 EStG ist eine «selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt», ein Gewerbebetrieb. Und nach § 14 Absatz 1 GewO muss, wer «den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes» anfängt, dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen.
  • Österreich: Nach § 1 Absatz 2 GewO 1994 wird eine Tätigkeit gewerbsmässig ausgeübt, «wenn sie selbständig, regelmäßig und in der Absicht betrieben wird, einen Ertrag oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen». Nach Absatz 4 gilt auch eine einmalige Handlung als regelmässige Tätigkeit, wenn nach den Umständen auf die Absicht der Wiederholung geschlossen werden kann. Wer ein Gewerbe ausüben will, erstattet die Gewerbeanmeldung bei der Bezirksverwaltungsbehörde des Standortes (§ 339 GewO 1994).

Zur Umsatzsteuer nennen beide Gesetze eine Schwelle für Kleinunternehmer:

LandSchwelleQuelle
DeutschlandGesamtumsatz im Vorjahr höchstens 25 000 Euro und im laufenden Jahr höchstens 100 000 Euro§ 19 Abs. 1 UStG
ÖsterreichUmsatzgrenze von 55 000 Euro im Vorjahr und im laufenden Jahr§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG 1994

Quellen: § 19 UStG, § 6 UStG 1994. Die Gesetze enthalten weitere Voraussetzungen und Ausnahmen. Ob du ein Gewerbe anmelden musst und welche Steuern anfallen, klärst du mit dem Gewerbeamt beziehungsweise der Bezirksverwaltungsbehörde und mit deinem Finanzamt.

Was gehört in eine Tippgeber-Vereinbarung?

Keine Vertragsvorlage, sondern die Punkte, die Streit vermeiden:

  1. Wer zahlt: rechtlicher Name und Adresse des Unternehmens.
  2. Was du tust: einen Kontakt nennen, nicht verhandeln und nichts zusagen.
  3. Wofür die Provision geschuldet ist: schon für den Tipp, wenn daraus ein Vertrag wird, und für welchen Kunden.
  4. Höhe und Grundlage: Betrag oder Prozentsatz, wovon.
  5. Auslöser und Frist: Unterschrift oder Zahlungseingang des Kunden, und wann überwiesen wird.
  6. Was bei Stornierung oder Rückerstattung gilt.
  7. Wie belegt wird, dass der Kunde von dir kommt, und wie lange das gilt.
  8. Dass der Kontakt mit einer Kontaktaufnahme einverstanden ist.

Und bei Ryze?

Das Programm Ryze My Life hat eine Rolle, die dem Tippgeber entspricht: den Vermittler («apporteur d’affaires»). Was die Partnerbedingungen dazu sagen:

  • Rolle: Du übermittelst den Kontakt eines Interessenten, der einer Kontaktaufnahme zugestimmt hat. Der Herausgeber führt den Verkauf, legt die Preise fest und kassiert.
  • Provision: in Euro, gemäss der veröffentlichten Tabelle. Der Anspruch entsteht mit dem ersten Eingang der Kundenzahlung; eine Unterschrift ohne Zahlungseingang gibt keinen Anspruch.
  • Zahlung: gegen Rechnung, per Überweisung innert 30 Tagen ab Monatsende. Fenster von 90 Tagen für die Zuordnung, Rückforderung bei Rückerstattung an den Kunden innert 60 Tagen.
  • Status: selbständig, mit einem Status, der das Ausstellen von Rechnungen erlaubt. Sozialbeiträge und Steuern trägst du selbst.
  • Recht: Der Vertrag untersteht Schweizer Recht. Eine Person mit Wohnsitz in der Europäischen Union behält den zwingenden Schutz des Rechts ihres Landes.
  • Länder: Bewerbungen sind derzeit aus Frankreich, der Schweiz und Belgien offen; andere Länder werden im Einzelfall geprüft.

Für Leserinnen und Leser in Deutschland und Österreich heisst das: Frag vor der Bewerbung nach, ob dein Land in Frage kommt, und kläre mit deinem Finanzamt, wie du Provisionen in Rechnung stellen darfst. Die Details zur Rolle stehen auf der Seite Vermittler werden. Die Regeln für die Schweiz findest du im Guide Tippgeber in der Schweiz.

Häufige Fragen

Was ist ein Tippgeber?

Ein Tippgeber nennt einem Unternehmen einen möglichen Kunden und erhält eine Provision, wenn daraus ein Geschäft wird. Weder das deutsche noch das österreichische Gesetz kennt den Begriff. Am nächsten kommt der Maklervertrag: § 652 BGB in Deutschland, das Maklergesetz in Österreich.

Muss ich eine Tippgeber-Provision versteuern?

Grundsätzlich ja. In Deutschland nennt § 22 Nummer 3 EStG «Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen» ausdrücklich; sie sind nicht einkommensteuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 Euro im Kalenderjahr betragen haben. In Österreich gilt nach § 29 Z 3 EStG 1988 dasselbe, wenn sie im Kalenderjahr höchstens 220 Euro betragen. Darüber gehören sie in die Steuererklärung.

Brauche ich für Tippgeber-Provisionen ein Gewerbe?

Das hängt davon ab, ob die Tätigkeit gelegentlich bleibt. In Deutschland ist eine selbständige nachhaltige Betätigung mit Gewinnabsicht ein Gewerbebetrieb (§ 15 Absatz 2 EStG), und wer ein stehendes Gewerbe anfängt, muss es anzeigen (§ 14 GewO). In Österreich ist eine Tätigkeit gewerbsmässig, wenn sie selbständig, regelmässig und in Ertragsabsicht betrieben wird (§ 1 GewO 1994). Die Einordnung deines Falls nimmt die Behörde vor, nicht der Vertrag.

Bekomme ich in Österreich eine Provision, wenn ich nur einen Namen nenne?

Nach dem Maklergesetz nicht automatisch: § 6 Absatz 2 hält fest, dass die blosse Namhaftmachung des Dritten keinen Provisionsanspruch begründet, sofern im betreffenden Geschäftszweig kein abweichender Gebrauch besteht. Soll schon der Tipp vergütet werden, muss das vereinbart sein, am besten schriftlich.

Kann ich aus Deutschland oder Österreich beim Ryze Programm mitmachen?

Bewerbungen sind derzeit aus Frankreich, der Schweiz und Belgien offen; andere Länder werden im Einzelfall geprüft. Das Programm verlangt einen Status, mit dem du Rechnungen stellen darfst, und der Vertrag untersteht Schweizer Recht. Frag vor der Bewerbung nach.

Quellen

Letzte Aktualisierung: . An diesem Datum konsultierte Quellen:

Allgemeine Information zum deutschen und österreichischen Recht, keine Rechts- oder Steuerberatung. Kläre deinen Fall mit deinem Finanzamt und der zuständigen Gewerbebehörde.

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